Donnerstag, 14. Juni 2012

Kurze Flaschenpost aus Livorno

Verschnupfte Grüße aus der Toskana,

Und siehe da, wie konnte es anders sein, auch die typische Schiffserkältung ist dieses Jahr wieder am Start. Seit gestern kratzt mein Hals und die Nase läuft, war ja fast klar. Das Klima auf dem Schiff ist geprägt von fett aufgerissener Klimaanlage innen und sommerlichen Temperaturen, sobald man irgendwo auf Deck oder an Land geht. Hinzu kam ein etwas kühlerer Sonntag, an dem ich mit Käpt'n Smashing in Barcelona auf den Tibidabo gefahren bin, einem 500 Meter hohen Berg am Rande von Barcelona (Landseite), von dem man einen fantastischen Blick auf die Stadt hat. All das, zusammen mit einer fetten Crewparty am Dienstag anlässlich des philippinischen Unabhängigkeitstages haben wohl mein Immunsystem etwas überstrapaziert.
Nun liege ich mit 'ner Erkältung flach und habe die Wahl, entweder in der Kabine zu frieren bzw. dick eingemummelt im etwas zu kleinen Bett zu liegen und Filme zu gucken, oder mich auf's Crew Deck in die heiße Sonne zu legen. Beides nicht optimal, also nehme ich von jedem ein bißchen. Da das Internet aber nur draußen funktioniert (USB-Stick für's italienische Handynetz von Vodafone) und ich mit der Heimat kommunizieren möchte, habe ich wahrscheinlich heute Abend auch noch 'nen Sonnenbrand ;-) Aber genug der Klagen. Zum Glück sind heute und morgen keine Shows für uns, ich kann viel schlafen und mich hoffentlich auskurieren.

Bis die Tage,

Euer Keezee

Dienstag, 5. Juni 2012

Grüße aus Neapel


Hallo Heimat,

die erste Woche liegt hinter mir, und es ist schon wieder ziemlich viel passiert. Los ging's mit dem frühen Aufstehen am Sonntag, dem 24. Juni. Um 6:00 Uhr war auschecken vom Hotel angesagt, dann wurden die Koffer auf einen kleinen LKW verladen, und wir stiegen in einen von NCL organisierten Shuttle-Bus, der uns vom Hotel zum Flughafen bringen sollte. Diese Prozedur war mir vom letzten Jahr noch geläufig, und prompt kamen alle Erinnerungen wieder ganz frisch hoch. So konnte ich auch dementsprechend gut nachfühlen, wie es Diane in diesem Moment ging.

 Gegen 06:00 Uhr aus dem Hotelfenster (Barcelona)
Koffer laden!

Noch nichtmal an Bord und schon am Durchdrehen...

Und da erwartet sie uns, die Norwegian Epic :-)
Als das Schiff dann in Sicht kam, hatte ich wieder Gänsehaut und fragte mich, was in diesen nächsten sechs Monaten alles für Erlebnisse auf mich warten werden.

Der Bus fährt über die Brücke am Hafen

Und immer noch sehr beeindruckend...

Ein letztes Foto in Freiheit ;-)

Und zum Eingewöhnen gibt's 'ne Passagierkabine... leider nur eine Woche ;-)
Und als ich dann endlich in der Kabine angekommen war, hatte ich schon wieder mindestens zehn Leute auf dem Schiff gesehen, die ich vom letzten Jahr kannte. Es fühlte sich an wie eine große Wiedersehens-Tour durch's Schiff. Den ganzen Tag ging es im Prinzip so weiter. Aber mehr darüber im nächsten Post. Wir entfernen uns langsam vom Festland nahe Neapel, und das Internet-Signal wird schwächer...

Sonntag, 27. Mai 2012

Barcelona, schön wie immer

Hallo aus Spanien,

Am letzten Donnerstag ging es mit dem Flieger von Tegel nach Barcelona, wo ich mich mit meinem Kumpel Hovo verabredet hatte, der mir bis zum heutigen Samstag in seiner schönen Wohnung im Herzen der Stadt Unterschlupf gewährte. Hovo und seine Frau Tamara wohnen und arbeiten seit 2006 in Barcelona. Wir hatten uns vor ca. 15 Jahren das letzte Mal gesehen, und so gab es viel zu erzählen.


Auch meine Kollegin Alison (Blue Man Group, Elektronik und Spezialeffekte) aus Chicago, mit der ich schon letztes Jahr auf dem Schiff zusammen gearbeitet hatte, war schon am Donnerstag von Paris nach Barcelona gekommen, um hier für ein paar Tage zu entspannen und das Nachtleben genießen zu können (was uns für die nächsten Monate aufgrund des Schiffsfahrplanes nicht vergönnt sein wird). Und so hatten wir ein paar sehr schöne Tage hier in Barcelona, geprägt von den Leckereien des Landes und den schönen Gebäuden und Parks der Stadt.


Placa Espana
Arenas
Lecker Tapas
Park am Zoo


Heute ging es dann von Holgers Wohnung in das von NCL (Norwegian Cruise Line) gebuchte Hotel, von dem aus wir morgen in aller Frühe mit Shuttles zum Hafen gebracht werden. Nach einem schönen Abendessen mit Alison und unserer neuen Kollegin Diane (Blueman Requisiten) aus Orlando gab's noch ein paar leckere dunkle Biere an der Hotelbar, und langsam wird es Zeit, ins Bett zu gehen. Auf Wiedersehen Festland, für weitere sechs Monate auf der Norwegian Epic. Ich bin gespannt...

Keezee

Montag, 21. Mai 2012

Auf zur zweiten Runde ;-)

Hallo liebe Leser und die, die sich vielleicht noch zuschalten werden!

Einigen mögen sich wundern, daß nach fast einem Jahr wieder etwas in diesem Blog zu lesen ist. Ja, es geht wieder los, der Admiral startet in die zweite Runde auf der Norwegian Epic!! Es sind wieder sechs Monate, und wieder geht es über den Sommer durch's Mittelmeer, dann Ende Oktober über den Atlantik und von Miami aus in die Karibik.
Nachdem ich mich beim Schreiben des Blogs über meine erste Reise nun wirklich nicht mit Ruhm bekleckert habe, sondern sich bereits im Juli (zweiter von sechs Monaten auf See!!) eine umfangreiche und dauerhafte Schreibfaulheit einstellte, habe ich mir für dieses Jahr vorgenommen, mich deutlich zu steigern... nicht besonders schwierig, jaja, ich weiß ;-)
Tja, was soll ich sagen, die Norwegian Epic wird mich in weniger als einer Woche, genauer gesagt am kommenden Sonntag, wieder haben... um umgekehrt. Der Job letztes Jahr hat einfach so viel Spaß gemacht, daß ich das erneute Angebot von Blueman nicht ausschlagen wollte. Ich bin sehr gespannt, ob es mir dieses Jahr genau so gefallen wird. Es gibt viele Dinge, auf die ich mich sehr freue:
1. Die vielen Leute, die ich auf dem Schiff wieder sehen werde. Es gibt sowohl bei unseren Leuten als auch bei den anderen Entertainern und Crewmitgliedern sehr viele, von denen ich schon jetzt weiß, daß sie entweder schon auf dem Schiff sind oder während meiner Vertragszeit wieder aufsteigen werden. Die Vorfreude auf ein Wiedersehen mit diesen Menschen ist groß.
2. Die Show und "meine" Leute auf dem Schiff, mit denen ich arbeiten werde. Ich bin gespannt, was sich in der Zwischenzeit im Theater getan bzw. wie sich unsere Arbeitsplätze verändert haben...
3. Das Schiff und die See, die Sonnenauf- und -untergänge, der weite Himmel, der Wind und die Wellen, das An- und Ablegen in den Hafenstädten, das bunte Treiben in den Straßen der verschiedenen Länder...
4. Die mir schon bekannten Hafenstädte Barcelona, Neapel, Civitavecchia, Livorno, St. Maarten, St. Thomas, Nassau/Bahamas, und natürlich auch die neuen Stationen unserer diesjährigen Reise, Cannes und Marseille.
5. Die regelmäßigen Jamsessions im "Fat Cats" Bluesclub, wo sich um Mitternacht viele der an Bord arbeitenden Musiker zusammen finden und vor Publikum jammen.
6. Mein Rennrad und die Radtouren, die ich diesen Sommer wieder unternehmen werde. Auch mein Radsportkumpel Captain "Smashing" ist wieder an Bord und freut sich, wie ich über Facebook höre, schon sehr auf unsere gemeinsamen Ausflüge.
Ich könnte noch vieles mehr aufzählen...

Aber natürlich gehe ich auch wieder mit einem weinenden Auge auf's Schiff, denn der Job auf See bedeutet erneut einen Abschied auf Zeit von vielen lieben Menschen. Zum Glück bieten die modernen Medien viele Möglichkeiten, in Kontakt zu bleiben, aber es ist doch hin und wieder schwer, wenn zu Hause entweder besonders schöne oder auch traurige Dinge passieren und man einfach nicht da sein kann.

Donnerstag, 14. Juli 2011

Die ersten Tage

Trivia des Tages:

Die Norwegian Epic ist zur Zeit nach der "Oasis Of The Seas" und der "Allure Of The Seas" (beide gehören zur Royal Caribbean Kreuzfahrtgesellschaft) das drittgrößte Kreuzfahrtschiff der Welt. Die Epic hat als einzige dieser Schiffe die technische Zulassung für eine Atlantik-Überquerung. Dementsprechend ist sie das größte Schiff, das im Mittelmeer unterwegs ist ;-) Unter diesem link könnt ihr Euch die aktuellen Positionen und Fahrtrouten von Schiffen aller Art in Echtzeit anschauen.

Nach dem Einstieg ins Schiff wurden wir also dann nochmal durchleuchtet und gecheckt. Dann ging's mit unserem Gepäck ins Schiffsinnere und sofort auf eine der Hauptlebensadern, die sogenannte I-95 (Englisch ausgesprochen). Das ist ein sehr breiter Gang auf Deck 4, der von fast ganz vorn bis zum Ende des Schiffes geht und auf dem sich so gut wie alles bewegt bzw. befindet, was auf dem Schiff logistisch wichtig ist. Aber mehr dazu später. Für uns hieß es erstmal unser Großgepäck in einem der großen Lagerräume abstellen, wo es registriert und unseren Kabinen zugeordnet werden sollte. Wir wurden derweil in einen der Schulungsräume geführt, wo das Aufnahmeprozedere in die Reihen der aktuellen Crewmitglieder und Angestellten von NCL (Norwegian Cruise Line) weiter ging. Es gab 'ne Menge Formulare auszufüllen, und nach Erhalt unsere Crew-ID-Card und des Namensschildes war ich nun offiziell angekommen.


Sonntag, 3. Juli 2011

So ging's los

Hallo,

der heutige Post sowie die folgenden sind meiner ersten Woche auf dem Schiff gewidmet, auf die ich nun, nach einem Monat, mit unglaeubigem Kopfschuetteln zurueckblicke. Unglaeubig deshalb, weil alles so schnell ging, weil wir einen tollen Einstand sowohl auf dem Schiff als auch beim Job hatten, weil mir klar geworden ist, dass ich mir im Vorfeld 'n viel zu grossen Kopf um alles gemacht habe, weil inzwischen so viel Erzaehlenswertes passiert und weil mir das Schiffsleben mittlerweile schon so vertraut geworden ist. Es gibt natuerlich noch sehr viel zu entdecken, Langeweile wird also vorerst nicht aufkommen. Aber es fuehlt sich definitiv nicht mehr so neu und unbekannt an wie in der ersten Woche.
Los ging es mit dem Flug mit Lufthansa von Berlin Tegel ueber Frankfurt/Main und einer Uebernachtung im Best Western Hotel unweit des Flughafens in Barcelona. Dieser Aufenthalt wurde fuer uns gebucht, weil die Einschiffung am naechsten Morgen sehr frueh losgehen sollte. Nachdem ich mein Zimmer bezogen hatte, lernte ich bald darauf drei meiner zukuenftigen Kollegen von Blue Man USA kennen und fuehlte mich schon nicht mehr ganz so allein. Die Gespraeche waren typisch: wie lange arbeitest Du schon fuer Blue Man, in welcher Show (Berlin, New York, Chicago, Boston, Orlando, Tokio) bzw. welche Tour, welchen Job machst Du in der Show, wie bist Du zu dem Job auf der Epic gekommen usw. Wir kamen uns vor wie ein handverlesenes Spezialisten-Team, das fuer eine besondere Mission an einen bestimmten Ort in dieser Welt entsandt wurde ;-) Wie sich herausstellte, waren ganz viele zukuenftige Crewmitglieder aus aller Herren Laender in diesem Hotel untergebracht.
Die Nacht war dementsprechend kurz, ich war sehr gespannt, was mich am naechsten Tag erwarten wuerde. Nach einem ausgiebigen Fruehstueck hiess es um 5:30 Uhr (!!) Abfahrt mit den Shuttles Richtung Hafen.
Schon von weitem war unser neues Zuhause zu sehen, und nach dem Aussteigen wurden uns die tatsaechlichen Ausmasse der Epic klar. Wie ein fetter Wohnblock lag sie am Pier, der Anfang und das Ende kaum auszumachen:


Fuer uns hiess es: nicht lange staunen, sondern Koffer schnappen und dann ab Richtung Einschiffung. Diese Prozedur stellt selbst die Sicherheitskontrollen an Flughaefen in den Schatten. Alles wird mehrfach gecheckt und durchleuchtet, saemtliche Papiere muessen mehrfach vorgelegt und abgestempelt werden (Pass, Arbeitsvertrag, Gesundheitsnachweise, Fuehrungszeugnis usw.), und das obwohl ich alles schon im Vorfeld einreichen musste!!
Erstmal erfolgte eine Kontrolle an Land, die ist so ungefaehr wie auf'm Flughafen. Dann kam der grosse Moment, wo wir uns mit Sack und Pack dem Schiff naeherten. Der Einstieg war dann relativ unspektakulaer durch eine kleine Luke, naja, eben fuer die Crew ;-)


Ein kurzer Blick nach oben (in so ein Rettungsboot passen knapp dreihundert Leute rein, wie ich mittlerweile weiss...)


und nach links


und dann war ich drin im grossen Bauch der Epic. Eigentlich ein kleiner Schritt, aber innerlich fuehlte es sich ziemlich gross und bedeutend an, der Eintritt in eine neue Welt...

Schiff ahoi und bis zum naechsten Mal,

Keezee


Sonntag, 26. Juni 2011

Hallo aus Barcelona

Trivia des Tages:

Unser Schiff ist mit insgesamt acht sogenannten "Thruster Engines" oder kurz "Thrusters"(Seitenstrahlmotoren) ausgestattet (vier vorn, vier hinten) und kann deshalb eine 360-Grad-Drehung auf der Stelle vollfuehren. Mit den Thrusters laesst sich die Epic ganz geschmeidig an die Docks manoevrieren, seitwaerts bewegen oder umlenken, wenn es mal schnell gehen soll.
Jeden Sonntag Morgen gegen 4:30 Uhr koennen wir auf dem Vorderschiff das Einlaufen in den Hafen von Barcelona und eine 180-Grad-Wendung des Schiffes im engen Hafenbecken miterleben. Bei einer Laenge von 329 Metern bleiben auf jeder Seite nur wenige Meter Platz, und oben auf Deck 8 (Crewdeck auf dem Vorderschiff) fuehlt es sich so an, als ob man die Gebaeude im Hafen mit ausgestrecktem Arm beruehren koennte.

Weitere technische Daten sowie Fotos findet ihr unter http://www.ncl.de/fleet/epic/index.php

Zur Verdeutlichung der Ausmasse des Kahns ein Foto:

Das Deck, wo sich der Eingang befindet, ist Deck 4, es gibt also noch drei Decks (Etagen) darunter, teilweise unter Wasser. Auf Deck 3 ist unter anderem die große Wäscherei, die Decks 3 - 7 sind hauptsaechlich Restaurants, Läden, Clubs, das Casino und Crewkabinen. Das Schiff hat ca. 8 Meter Tiefgang, das ist bei einer Höhe von fast 50 m über Wasser verhältnismäßig wenig. Auf Deck 4 befinden sich unter anderem die grossen Kuehlraeume fuer Lebensmittel, die Müllverarbeitung, unser Finanz- und Verwaltungsbuero, die Crewmesse (Mensa), die Crewbar und der Bühnenunterboden unseres Theaters. Nach oben folgen Deck 5 (weiss, ohne Fenster, z.B. Backstage vom Theater, Büros, Crew Fitness, Crew Shop, Crew Bibliothek, Unterrichtsraeume für Sicherheitstrainings und Schulungen, die Passagierlobby, zwei Restaurants, die Kunstgalerie), Deck 6 (halbrunde Fenster, 2 Theater, offene Bühnen, Einkaufspassagen, das Casino, Clubs, Restaurants, Bowlingbahnen) und Deck 7 (Rettungsboote, Restaurants, Shops, Ice Bar, Discothek, Bibliothek, Zigarren-Lounge etc.). Dann folgen die Decks 8 - 14, wo die Passagiere untergebracht sind. Trotzdem gibt es auch dort noch viele Crewkabinen. Die offenen Decks 15 - 18 bieten Sonnendecks, Pools, Wasserrutschen, Sportplaetze fuer Fussball und Basketball, Bars, Restaurants, eine Kletterwand, Arkade-Spielhalle, Passagier-Fitness- und Spabereich. Geil, wenn man nach der Sauna ganz hinten auf Deck 17 steht und von der offenen Terrasse aus ca. 40 Meter Hoehe senkrecht auf die fette Welle runter guckt, die die beiden grossen Schiffsschrauben machen. Die haben beide einen Durchmesser von sechs Metern und werden von bis zu sechs Dieselmotoren mit bis zu 110.000 PS angetrieben.

Liebe Gruesse in die Heimat und bis bald,

Keezee