Donnerstag, 14. Juli 2011

Die ersten Tage

Trivia des Tages:

Die Norwegian Epic ist zur Zeit nach der "Oasis Of The Seas" und der "Allure Of The Seas" (beide gehören zur Royal Caribbean Kreuzfahrtgesellschaft) das drittgrößte Kreuzfahrtschiff der Welt. Die Epic hat als einzige dieser Schiffe die technische Zulassung für eine Atlantik-Überquerung. Dementsprechend ist sie das größte Schiff, das im Mittelmeer unterwegs ist ;-) Unter diesem link könnt ihr Euch die aktuellen Positionen und Fahrtrouten von Schiffen aller Art in Echtzeit anschauen.

Nach dem Einstieg ins Schiff wurden wir also dann nochmal durchleuchtet und gecheckt. Dann ging's mit unserem Gepäck ins Schiffsinnere und sofort auf eine der Hauptlebensadern, die sogenannte I-95 (Englisch ausgesprochen). Das ist ein sehr breiter Gang auf Deck 4, der von fast ganz vorn bis zum Ende des Schiffes geht und auf dem sich so gut wie alles bewegt bzw. befindet, was auf dem Schiff logistisch wichtig ist. Aber mehr dazu später. Für uns hieß es erstmal unser Großgepäck in einem der großen Lagerräume abstellen, wo es registriert und unseren Kabinen zugeordnet werden sollte. Wir wurden derweil in einen der Schulungsräume geführt, wo das Aufnahmeprozedere in die Reihen der aktuellen Crewmitglieder und Angestellten von NCL (Norwegian Cruise Line) weiter ging. Es gab 'ne Menge Formulare auszufüllen, und nach Erhalt unsere Crew-ID-Card und des Namensschildes war ich nun offiziell angekommen.


Sonntag, 3. Juli 2011

So ging's los

Hallo,

der heutige Post sowie die folgenden sind meiner ersten Woche auf dem Schiff gewidmet, auf die ich nun, nach einem Monat, mit unglaeubigem Kopfschuetteln zurueckblicke. Unglaeubig deshalb, weil alles so schnell ging, weil wir einen tollen Einstand sowohl auf dem Schiff als auch beim Job hatten, weil mir klar geworden ist, dass ich mir im Vorfeld 'n viel zu grossen Kopf um alles gemacht habe, weil inzwischen so viel Erzaehlenswertes passiert und weil mir das Schiffsleben mittlerweile schon so vertraut geworden ist. Es gibt natuerlich noch sehr viel zu entdecken, Langeweile wird also vorerst nicht aufkommen. Aber es fuehlt sich definitiv nicht mehr so neu und unbekannt an wie in der ersten Woche.
Los ging es mit dem Flug mit Lufthansa von Berlin Tegel ueber Frankfurt/Main und einer Uebernachtung im Best Western Hotel unweit des Flughafens in Barcelona. Dieser Aufenthalt wurde fuer uns gebucht, weil die Einschiffung am naechsten Morgen sehr frueh losgehen sollte. Nachdem ich mein Zimmer bezogen hatte, lernte ich bald darauf drei meiner zukuenftigen Kollegen von Blue Man USA kennen und fuehlte mich schon nicht mehr ganz so allein. Die Gespraeche waren typisch: wie lange arbeitest Du schon fuer Blue Man, in welcher Show (Berlin, New York, Chicago, Boston, Orlando, Tokio) bzw. welche Tour, welchen Job machst Du in der Show, wie bist Du zu dem Job auf der Epic gekommen usw. Wir kamen uns vor wie ein handverlesenes Spezialisten-Team, das fuer eine besondere Mission an einen bestimmten Ort in dieser Welt entsandt wurde ;-) Wie sich herausstellte, waren ganz viele zukuenftige Crewmitglieder aus aller Herren Laender in diesem Hotel untergebracht.
Die Nacht war dementsprechend kurz, ich war sehr gespannt, was mich am naechsten Tag erwarten wuerde. Nach einem ausgiebigen Fruehstueck hiess es um 5:30 Uhr (!!) Abfahrt mit den Shuttles Richtung Hafen.
Schon von weitem war unser neues Zuhause zu sehen, und nach dem Aussteigen wurden uns die tatsaechlichen Ausmasse der Epic klar. Wie ein fetter Wohnblock lag sie am Pier, der Anfang und das Ende kaum auszumachen:


Fuer uns hiess es: nicht lange staunen, sondern Koffer schnappen und dann ab Richtung Einschiffung. Diese Prozedur stellt selbst die Sicherheitskontrollen an Flughaefen in den Schatten. Alles wird mehrfach gecheckt und durchleuchtet, saemtliche Papiere muessen mehrfach vorgelegt und abgestempelt werden (Pass, Arbeitsvertrag, Gesundheitsnachweise, Fuehrungszeugnis usw.), und das obwohl ich alles schon im Vorfeld einreichen musste!!
Erstmal erfolgte eine Kontrolle an Land, die ist so ungefaehr wie auf'm Flughafen. Dann kam der grosse Moment, wo wir uns mit Sack und Pack dem Schiff naeherten. Der Einstieg war dann relativ unspektakulaer durch eine kleine Luke, naja, eben fuer die Crew ;-)


Ein kurzer Blick nach oben (in so ein Rettungsboot passen knapp dreihundert Leute rein, wie ich mittlerweile weiss...)


und nach links


und dann war ich drin im grossen Bauch der Epic. Eigentlich ein kleiner Schritt, aber innerlich fuehlte es sich ziemlich gross und bedeutend an, der Eintritt in eine neue Welt...

Schiff ahoi und bis zum naechsten Mal,

Keezee


Sonntag, 26. Juni 2011

Hallo aus Barcelona

Trivia des Tages:

Unser Schiff ist mit insgesamt acht sogenannten "Thruster Engines" oder kurz "Thrusters"(Seitenstrahlmotoren) ausgestattet (vier vorn, vier hinten) und kann deshalb eine 360-Grad-Drehung auf der Stelle vollfuehren. Mit den Thrusters laesst sich die Epic ganz geschmeidig an die Docks manoevrieren, seitwaerts bewegen oder umlenken, wenn es mal schnell gehen soll.
Jeden Sonntag Morgen gegen 4:30 Uhr koennen wir auf dem Vorderschiff das Einlaufen in den Hafen von Barcelona und eine 180-Grad-Wendung des Schiffes im engen Hafenbecken miterleben. Bei einer Laenge von 329 Metern bleiben auf jeder Seite nur wenige Meter Platz, und oben auf Deck 8 (Crewdeck auf dem Vorderschiff) fuehlt es sich so an, als ob man die Gebaeude im Hafen mit ausgestrecktem Arm beruehren koennte.

Weitere technische Daten sowie Fotos findet ihr unter http://www.ncl.de/fleet/epic/index.php

Zur Verdeutlichung der Ausmasse des Kahns ein Foto:

Das Deck, wo sich der Eingang befindet, ist Deck 4, es gibt also noch drei Decks (Etagen) darunter, teilweise unter Wasser. Auf Deck 3 ist unter anderem die große Wäscherei, die Decks 3 - 7 sind hauptsaechlich Restaurants, Läden, Clubs, das Casino und Crewkabinen. Das Schiff hat ca. 8 Meter Tiefgang, das ist bei einer Höhe von fast 50 m über Wasser verhältnismäßig wenig. Auf Deck 4 befinden sich unter anderem die grossen Kuehlraeume fuer Lebensmittel, die Müllverarbeitung, unser Finanz- und Verwaltungsbuero, die Crewmesse (Mensa), die Crewbar und der Bühnenunterboden unseres Theaters. Nach oben folgen Deck 5 (weiss, ohne Fenster, z.B. Backstage vom Theater, Büros, Crew Fitness, Crew Shop, Crew Bibliothek, Unterrichtsraeume für Sicherheitstrainings und Schulungen, die Passagierlobby, zwei Restaurants, die Kunstgalerie), Deck 6 (halbrunde Fenster, 2 Theater, offene Bühnen, Einkaufspassagen, das Casino, Clubs, Restaurants, Bowlingbahnen) und Deck 7 (Rettungsboote, Restaurants, Shops, Ice Bar, Discothek, Bibliothek, Zigarren-Lounge etc.). Dann folgen die Decks 8 - 14, wo die Passagiere untergebracht sind. Trotzdem gibt es auch dort noch viele Crewkabinen. Die offenen Decks 15 - 18 bieten Sonnendecks, Pools, Wasserrutschen, Sportplaetze fuer Fussball und Basketball, Bars, Restaurants, eine Kletterwand, Arkade-Spielhalle, Passagier-Fitness- und Spabereich. Geil, wenn man nach der Sauna ganz hinten auf Deck 17 steht und von der offenen Terrasse aus ca. 40 Meter Hoehe senkrecht auf die fette Welle runter guckt, die die beiden grossen Schiffsschrauben machen. Die haben beide einen Durchmesser von sechs Metern und werden von bis zu sechs Dieselmotoren mit bis zu 110.000 PS angetrieben.

Liebe Gruesse in die Heimat und bis bald,

Keezee

Dienstag, 21. Juni 2011

Herzlich Willkommen!

Dienstag, 21. Juni 2011

Der Admiral meldet sich mit einem ersten Eintrag und lieben Grüßen an die Daheimgebliebenen. Zunächst die wichtigsten Informationen im Telegramm-Stil:

1. Mir geht es gut bis sehr gut :-)

2. Ich bin noch nicht seekrank geworden ;-)

3. Das Leben und die Arbeit auf dem Schiff sind toll. Ich fühle mich hier sehr wohl

4. Die Show läuft gut und kommt bei den Passagieren super an. Meine Kollegen sind (wie eigentlich immer bei Blue Man) geil drauf, und die Arbeit mit ihnen macht Spaß.

5. Wir sind mittlerweile auf der dritten Runde im Mittelmeer, welche wie folgt aussieht:

- Sonntag: Barcelona
- Montag: Seetag entlang der Küste Südfrankreichs in Richtung Italien
- Dienstag: Livorno/Italien mit Ausflugsmöglichkeiten nach Pisa, Florenz und in die Toskana
- Mittwoch: Civitavecchia/Italien mit Ausflugsmöglichkeiten nach Rom
- Donnerstag: Neapel/Italien mit Ausflugsmöglichkeiten nach Pompej, Capri und zum Vesuv
- Freitag: Seetag, Rückweg zwischen Sardinien und Korsika durch in Richtung Spanien
- Samstag: Palma de Mallorca/Spanien mit Ausflugsmöglichkeiten zum Ballermann 6 ;-)
- Sonntag früh gegen 05:30 Uhr zurück in Barcelona

6. Anlegen in den Häfen normalerweise gegen 06:00 Uhr

7. Auslaufen des Schiffs normalerweise gegen 19:00 Uhr

8. Das Meer, die Sonne, die Schiffe, die Landschaften an den Küsten und die Häfen faszinieren mich.

9. Das Schiffsleben fühlt sich an, als wäre ich in eine neue Stadt gezogen. Täglich lerne ich neue Leute kennen (ja, auch noch nach über zwei Wochen!), entdecke neue Wege und verlaufe mich immer noch hin und wieder, erforsche die Infrastruktur (Essen, Wäscherei, Büros, Verwaltung, Finanzabteilung, Lage der Kabinen meiner Kollegen, Clubs, Restaurants, Sportmöglichkeiten etc.)

10. Ich denke oft an Euch und die Heimat.

Ausführlichere Berichte folgen. Fühlt Euch umarmt!!

Schiff ahoi